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Orthodoxes Kreuz: Bedeutung, Formen und Inschriften

Das orthodoxe Kreuz ist für viele Menschen weit mehr als ein Schmuckstück: Es ist ein Zeichen des Glaubens, oft ein Geschenk zur Taufe und ein ständiger Begleiter. Wer zum ersten Mal ein russisch-orthodoxes Kreuz betrachtet, bemerkt sofort die zusätzlichen Querbalken und die kyrillischen Inschriften. In diesem Ratgeber erklären wir, was die Formen bedeuten, welche Inschriften üblich sind und worauf Sie bei der Auswahl achten können. Dabei gilt: Überlieferungen und Deutungen unterscheiden sich je nach Region, Gemeinde und Familie.

Was bedeutet das achtendige russisch-orthodoxe Kreuz?

Die bekannteste Form in der russischen Tradition ist das achtendige Kreuz. Neben dem großen Querbalken, an dem die Arme Christi ausgestreckt sind, hat es zwei weitere Balken:

  • Der obere, kurze Balken steht für die Tafel mit der Kreuzesinschrift, die nach den Evangelien über dem Haupt Christi angebracht war. Lateinisch lautet sie INRI, in kirchenslawischer Form ІНЦІ; häufig steht dort stattdessen ЦРЬ СЛВЫ.
  • Der untere, schräge Balken steht für das Fußbrett, auf dem die Füße Christi ruhen.

Für die Schräge gibt es eine verbreitete Erklärung: Das nach oben weisende Ende zeigt zu dem reumütigen Schächer, der mit Christus gekreuzigt wurde und dem das Paradies verheißen wurde; das nach unten weisende Ende zu dem, der Christus verspottete. So wird der Balken als Bild für Umkehr und Gericht verstanden. Daneben gibt es weitere Deutungen, etwa als Anspielung auf das schräge Kreuz des Apostels Andreas, der in Russland besonders verehrt wird.

Welche anderen Kreuzformen gibt es?

Das vierendige Kreuz

Die schlichte Grundform mit nur einem Querbalken ist die älteste und in der gesamten Christenheit verbreitet. Auch in der Orthodoxie ist sie vollkommen gebräuchlich, besonders in der griechischen Tradition, oft mit gleich langen Armen.

Das sechsendige Kreuz

Diese Form hat neben dem Hauptbalken nur den schrägen Fußbalken, aber keine Titeltafel. Sie war in der alten Rus verbreitet und ist bis heute auf manchen Kreuzen zu finden.

Kreuz mit Halbmond am Fuß

Manche Kreuze tragen am unteren Ende eine nach oben geöffnete Mondsichel. Es handelt sich um ein traditionelles Ornament, für das es mehrere Deutungen gibt: als Anker der Hoffnung, als Krippe von Bethlehem, als Kelch der Eucharistie oder als Schiff der Kirche. Eine eindeutige, allgemein anerkannte Erklärung gibt es nicht; die oft gehörte Deutung als Zeichen eines Sieges über den Islam gilt historisch als fraglich.

Worin unterscheidet sich das orthodoxe Kreuz vom katholischen Kruzifix?

Beide zeigen den gekreuzigten Christus, doch die Darstellung folgt unterschiedlichen Traditionen. Die folgende Übersicht beschreibt typische Merkmale; im Einzelfall gibt es viele Ausnahmen.

MerkmalOrthodoxe TraditionWestlich-katholische Tradition
Nägelmeist vier, die Füße nebeneinander einzeln angenageltmeist drei, die Füße übereinander gekreuzt
Darstellungruhig und würdevoll, Christus als Sieger über den Todhäufig stärker das Leiden betonend
Querbalkenoft acht- oder sechsendigmeist vierendig
Inschriftkirchenslawisch oder griechisch, z. B. ІС ХСmeist lateinisch INRI

Welche Inschriften stehen auf einem orthodoxen Kreuz?

  • ІС ХС – die traditionelle Abkürzung für „Jesus Christus“, meist zu beiden Seiten des Hauptbalkens.
  • НИКА – griechisch für „er siegt“; zusammen mit ІС ХС bedeutet das: Jesus Christus siegt.
  • ЦРЬ СЛВЫ – abgekürzt für „Царь Славы“, König der Herrlichkeit, häufig auf der Titeltafel.
  • «Спаси и сохрани» – „Rette und bewahre“, ein kurzes Gebet, das sehr oft auf der Rückseite kleiner Kreuze steht.

Je nach Ausführung finden sich weitere Abkürzungen, etwa für den Hügel Golgatha. Nicht jedes Kreuz trägt alle Inschriften.

Das Taufkreuz: unter der Kleidung getragen

In der russisch-orthodoxen Tradition erhält ein Mensch bei der Taufe ein kleines Kreuz, das нательный крестик (Kreuz, das am Körper getragen wird). Es wird üblicherweise unter der Kleidung getragen, als persönliches Zeichen des Glaubens und nicht zur Schau. Viele tragen es ihr Leben lang, oft ohne es abzulegen. Mehr zu Bräuchen und Geschenken rund um die Taufe lesen Sie in unserem Ratgeber zum Taufgeschenk.

Für Säuglinge und Kleinkinder gilt: Sie sollten grundsätzlich kein Kreuz an einer Kette oder einem Band tragen – außer kurz während der Taufzeremonie selbst unter den Augen von Erwachsenen. Danach wird das Kreuz abgenommen und sicher aufbewahrt, bis das Kind älter ist, denn es besteht Erstickungs- und Strangulationsgefahr.

Material und Größe richtig wählen

  • 585er Gold (Rot-, Gelb- oder Weißgold) ist robust, behält seinen Glanz und eignet sich gut zum täglichen Tragen.
  • 925er Sterlingsilber, auch vergoldet, ist eine leichtere und günstigere Alternative; Silber kann mit der Zeit nachdunkeln und lässt sich reinigen.
  • Größe: Für das Tragen unter der Kleidung sind kleine, flache Kreuze mit abgerundeten Kanten angenehm. Größere Kreuze werden eher sichtbar getragen.

Eine Auswahl finden Sie in unserer Kategorie orthodoxe Kreuze; wer lieber eine Heiligendarstellung trägt, findet sie bei den Ikonenanhängern.

Welche Kette passt zum Kreuz?

Für ein Kreuz, das täglich getragen wird, ist eine stabile Kette mit sicherem Verschluss wichtiger als eine besonders feine. Die Öse des Anhängers sollte zur Kettenstärke passen. Unter der Kleidung sind mittlere Längen üblich, damit das Kreuz nicht am Ausschnitt hervorschaut. Welche Länge zu welchem Zweck passt, erklärt unser Ratgeber zur Kettenlänge. Passende Modelle finden Sie unter Halsketten.

Darf man ein orthodoxes Kreuz tragen, wenn man nicht orthodox ist?

Ein allgemeines Verbot gibt es nicht. Viele Christen anderer Konfessionen tragen ein orthodoxes Kreuz, etwa aus Verbundenheit mit der Familie oder als Erinnerung an eine Reise. Aus Sicht der Kirche ist das Kreuz jedoch ein Glaubenszeichen und kein reines Accessoire. Wer es trägt, sollte das respektieren. Bei persönlichen Fragen kann ein Gespräch mit einem Priester der eigenen Gemeinde hilfreich sein, denn Einschätzungen unterscheiden sich.

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