Bernstein gehört zu den ältesten Schmuckmaterialien überhaupt. Er ist warm, leicht und in jedem Stück ein wenig anders. Damit Sie lange Freude daran haben, lohnt es sich zu wissen, woher Bernstein kommt, wie seine Farben entstehen, woran Sie echten Bernstein erkennen und wie Sie ihn richtig pflegen.
Was ist Bernstein eigentlich?
Bernstein ist kein Stein im eigentlichen Sinn, sondern fossiles Baumharz. Harz, das vor Millionen von Jahren aus Bäumen austrat, wurde im Boden eingeschlossen und hat sich über sehr lange Zeiträume verfestigt. Deshalb ist Bernstein ein organisches Schmuckmaterial, ähnlich wie Perlen oder Koralle.
Der bekannteste ist der Baltische Bernstein. Sein Alter wird meist auf etwa 40 bis 50 Millionen Jahre geschätzt; die genauen Angaben variieren je nach Fundschicht und Quelle. Das wichtigste Abbaugebiet liegt heute in der Region Kaliningrad an der Ostseeküste. Auch an den Stränden von Polen, Litauen und Norddeutschland wird nach Stürmen immer wieder Bernstein angespült.
Welche Farben hat Bernstein?
Die Farbpalette ist größer, als viele denken. Manche Töne kommen in der Natur vor, andere entstehen durch eine Behandlung mit Wärme und Druck. Solche Behandlungen sind im Bernsteinhandel üblich und kein Makel, sie sollten aber offen angegeben werden.
| Farbe | Typisches Aussehen | Hinweis |
|---|---|---|
| Honig / Cognac | warmes Goldbraun, oft klar | der „klassische“ Bernsteinton; kann natürlich oder durch Wärme vertieft sein |
| Gelb / Zitrone | hell, klar bis leicht trüb | meist natürlich |
| Milchig / Weiß („Royal“) | undurchsichtig, cremig bis elfenbeinfarben | entsteht durch unzählige winzige Luftbläschen; natürlich, aber eher selten |
| Kirsch | tiefes Rotbraun | in der Regel durch Wärmebehandlung gedunkelt |
| Grün | klar mit grünlichem Schimmer | in der Regel durch Behandlung unter Druck und Hitze entstanden |
Rohbernstein, polierter Bernstein und Pressbernstein
Rohbernstein wird nur grob gereinigt und behält seine matte, natürliche Oberfläche. Polierter Bernstein wird geschliffen und auf Hochglanz gebracht, wodurch Farbe und Einschlüsse besser zur Geltung kommen. Für Schmuck wird meist polierter Bernstein verwendet.
Pressbernstein besteht aus kleinen Bernsteinstücken, die unter Hitze und Druck zu einem Block verbunden werden. Es handelt sich um echten Bernstein, der jedoch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorliegt. Er ist meist gleichmäßiger in der Farbe und günstiger. Seriöse Händler kennzeichnen ihn als solchen.
Wie erkenne ich echten Bernstein?
Imitationen bestehen meist aus Kunststoff oder Glas. Außerdem wird gelegentlich Kopal angeboten, ein deutlich jüngeres Harz, das noch nicht zu Bernstein geworden ist. Einige einfache Beobachtungen helfen bei einer ersten Einschätzung:
- Gewicht und Wärme: Bernstein ist sehr leicht und fühlt sich in der Hand warm an. Glas ist spürbar schwerer und fühlt sich kühl an.
- Salzwassertest: In sehr stark gesalzenem Wasser (so viel Salz, bis sich nichts mehr löst) schwimmt Bernstein, Glas und viele Kunststoffe gehen unter. Dieser Test eignet sich nur für lose Steine ohne Metall, denn Fassungen und Verschlüsse verfälschen das Ergebnis und können Schaden nehmen. Spülen Sie den Stein danach mit klarem Wasser ab. Kopal schwimmt allerdings ebenfalls.
- UV-Licht: Unter einer UV-Lampe zeigt Bernstein meist ein bläuliches bis grünlich-weißes Leuchten. Kunststoff und Glas reagieren häufig anders oder kaum. Bei behandeltem Bernstein kann das Leuchten schwächer ausfallen.
Vom oft genannten Test mit einer heißen Nadel raten wir ab: Er hinterlässt eine dauerhafte Beschädigung am Schmuckstück. Kein Haustest ersetzt eine gemmologische Prüfung. Bei wertvollen Stücken ist ein Fachlabor die zuverlässigste Adresse.
Wie pflege ich Bernsteinschmuck?
Bernstein ist mit einer Mohshärte von etwa 2 bis 2,5 sehr weich und empfindlich gegenüber Chemikalien. Mit ein paar Gewohnheiten bleibt er lange schön:
- Parfüm, Haarspray, Cremes und Alkohol meiden: Legen Sie den Schmuck erst an, wenn Kosmetik eingezogen ist.
- Keine Hitze und keine lange direkte Sonne: Beides kann Bernstein austrocknen, nachdunkeln oder feine Risse verursachen.
- Reinigung mit einem weichen Tuch, bei Bedarf leicht angefeuchtet; danach gut abtrocknen. Kein Ultraschallbad, keine Schmuckreiniger.
- Getrennt aufbewahren, zum Beispiel in einem Stoffbeutel, damit härtere Schmuckstücke den Bernstein nicht zerkratzen.
Weitere Tipps für Gold, Silber und Steine finden Sie in unserem Ratgeber zur Schmuckpflege.
Bernstein und Gesundheit: Was Sie wissen sollten
Bernstein ist ein schönes Schmuckmaterial. Gesundheitliche oder heilende Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt, und wir versprechen keine. Besonders wichtig: Bernsteinketten sind für Babys und Kleinkinder nicht geeignet. Es besteht Erstickungsgefahr durch verschluckte Perlen und Strangulationsgefahr durch die Kette. Bitte legen Sie Säuglingen und Kleinkindern keinen Schmuck um den Hals, auch nicht zum Schlafen oder unter Aufsicht.
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